2.6.6 Reisebusparken in Städten

Datum der Konstituierung

30.8.2011

Leitung

Dipl.-Ing. Matthias Heinz

Wahlperioden

L 11 (5)

Problem / Ziel

In vielen Städten werden die Innenstädte nach historischen Vorbildern wieder neu gestaltet, historische Gebäude errichtet sowie Straßenräume und Plätze dem MIV entzogen, um gleichzeitig die Aufenthaltsfunktion zu stärken. Die wieder errichteten historischen Gebäude stellen gleichzeitig neue touristische Ziele in den Städten dar, die unter anderem auch durch Touristenbusse angefahren werden. Damit einhergehend entwickelt sich ein Zielkonflikt. Einerseits werden attraktive Ziele für Touristen in Städten geschaffen und der Tourist als Wirtschaftsfaktor in den Städten erwünscht, andererseits werden durch Rückbaumaßnahmen im öffentlichen Straßenraum zunehmend Verkehrsflächen dem Kfz-Verkehr entzogen und speziell Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung gestellt. Damit stehen auch Touristenbussen weniger Flächen zur Verfügung.


Weiterhin muss festgehalten werden, dass bei organisierten Touristenbusreisen der Trend hin zu größeren Bustypen geht, die den Fahrgästen einen höheren Reisekomfort bieten, aber auch um eine größere Wirtschaftlichkeit zu erreichen. 15 m-Reisebusse in engen innerstädtischen Verkehrsnetzen mit geringen oder gar keinen Angeboten zunn Halten und Abstellen derartiger Fahrzeuge führen häufig zu unvertretbaren Fehlnutzungen von Straßenräumen mit entsprechenden Beeinträchtigungen im fließenden und ruhenden Verkehr, wie auch bei Anliegern. Eine optimale und integrierte Einbindung in innerstädtische Parkraumplanungen ist selten.


Mit der Lösung der Zielkonflikte wird die Attraktivität der touristischen Ziele auch für Touristenbusse aufrechterhalten bzw. verbessert und gleichzeitig der Tourismus als wichtiger Wirtschaftszweig gestärkt bzw. nicht weiter eingeschränkt.


Bei der Betrachtung zum Touristenbusparken in Städten gilt es zu berücksichtigen, dass

 

  • anders als beim Linienbusfernverkehr, der Touristenbus ggf. auch mehrere Tage am Hotel in der Stadt geparkt werden soll,
  • die Fahrgäste an Zielen in der Innenstadt abgesetzt und nach mehr oder mindern langen Aufenthaltszeiten (möglichst am gleichen Ort) wieder aufgenommen werden sollen; dies gilt z. B. für Museumsbesuche, Besuche von Märkten oder Veranstaltungen,
  • Fahrzeug und Reisegruppe (ggf. über mehrere Tage) zusammenbleiben, der Bus von Gruppen genutzt wird, die z. B. aus sprachlichen Gründen die Bus- und Reiseleitung nutzen und
  • ein intensives Besuchsprogramm absolviert werden soll, für das der Touristenbus ein schnelles Transportmittel am Zielort darstellt.

 

Da im Bereich Stadttouristik viele Städte und touristische Ziele in Konkurrenz zueinander stehen und der Tourismusbereich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Städte und Regionen ist, kommt sachgerechten und komfortablen Angeboten für die Busse der Stadttouristik und einer guten integrierten Verkehrsplanung in Städten unter Berücksichtigung von Touristenbussen eine hohe Bedeutung zu. Die, für eine die verschiedenen Aspekte der Stadttouristik mit Reisebussen berücksichtigende qualitativ hochwertige Planung notwendigen Grundlagen bezüglich Bemessungen, konzeptioneller Handhabungen des Touristenbusparkens, der baulichen Lösungen, der verschiedensten Betriebsabläufe, Marketing und Informationspolitik sind grundlegend zu bearbeiten und zusammenzustellen.

Die geplante Veröffentlichung soll durch eine Beispielsammlung ergänzt und somit anschaulich werden.


Kenntnisse zu den Fahrgeometrien der in der Stadttouristik genutzten Fahrzeuge liegen durch Forschungsvorhaben vor. Auch zu Art und Gestaltung von Parkplätzen für Großfahrzeuge und Busse gibt die EAR sachdienliche Praxishilfen. Für Reisebusse in der Stadttouristik ergeben sich durch die Komfortwünsche der Veranstalter bzw. der Busfahrgäste besondere Anforderungen an die betriebliche Abwicklung, wie z. B. das zielnahe Absetzen und Wiederaufnehmen der Fahrgäste. Zu dieser Thematik gibt es keine Planungsempfehlungen; betroffene Städte arbeiten meist nach dem Verfahren ,try-and-error' mit permanent modifizierten Lösungen.


Ziel des Arbeitskreises ist es, Hinweise zu erarbeiten, in welchem die Anforderungen und sich ggf. ergebende Zielkonflikte zwischen städtebaulicher Gestaltung und Touristenbussen zu verdeutlichen und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten sein werden. Mitarbeitern in den Verwaltungen, Planern, verantwortlichen von Institutionen der Stadttouristik/des Stadtmarketings sowie Veranstaltern von Großevents soll eine Handlungsempfehlung zur Berücksichtigung von Reisebussen in der (inner-)städtischen Planung gegeben werden. Das Wissensdokument stellt eine Ergänzung zum Fernlinienbusverkehr dar, da dieser i. d. R. - über die ZOBs abgewickelt wird, wobei sich hier auch Synergieeffekte ergeben könnten.

Angestrebtes Ergebnis

Hinweise zum Touristenbusparken in Städten (W 1) (2015)