2.8.1 Städtebauliche Integration von Hochleistungsstraßen

Datum der Konstituierung

9.7.2009

Leitung

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Felix Huber

Problem / Ziel

Stadtautobahnen prägen wie kaum eine zweite Straßenkategorie das Bild unserer Städte, und dies in zweierlei Hinsicht:

  • als Bauwerke, die "von außen", also aus Sicht der Nicht-Benutzer der Stadtautobahnen das Stadtbild beeinflussen, und
  • als Transiträume, die "von innen", also aus der Sicht der Benutzer der Stadtautobahnen das Bild von unseren Städten prägen.

Besonders in Ballungsräumen erleben viele Menschen ihre bauliche Umgebung aus der Sicht der Stadtautobahnen – soweit dies durch Lärmschutzwände, -wälle und andere Schutzeinrichtungen überhaupt noch möglich ist. Umgekehrt ist ein wachsendes Streben von Firmen in die Nähe öffentlichkeits- und werbewirksamer Standorte an (Stadt-)autobahnen, insbesondere an Kreuzungsbereiche derartiger Verkehrsanlagen zu beobachten.

Die Tagung "Stadt der Geschwindigkeit" im Oktober 2004 hat den Versuch unternommen, die verschiedenen Aspekte und Effekte der Stadtautobahnen in ihrer Wechselwirkung auf die Stadt zu beleuchten und Erfahrungen aus dem Ausland zu analysieren (in Deutschland wurde dem Thema bisher nur wenig Aufmerksamkeit zuteil). Die vorliegende Dokumentation, die mit Förderung des Landes NRW, des Landesbetriebs Straßen NRW und mehrerer Ruhrgebietsstädte entstand, zeigt eine ganze Reihe interessanter neuartiger Ansätze zur Integration von Stadtautobahnen und enthält Hinweise auf gebaute Beispiele.

Kernaussagen der Dokumentation sind:

  • Gegenüber dem traditionellen Bild von Städten in der Landschaft, die durch Straßen verbunden sind, ist heute ein Hybrid aus Stadt und Landschaft vorherrschend, in dem Mobilität die zentrale Rolle spielt. Dieser Bedeutung widerspricht die vorherrschende Wahrnehmung der entsprechenden Verkehrsanlagen als Störungen oder notwendiges Übel.
  • Anders als in Ländern wie Japan, wo Stadtautobahnen aus Platzmangel unter- und unterbaut oder durch Bauwerke hindurchgeführt werden, steht in Europa der Gedanke des Schutzes der Umgebung vor den negativen Auswirkungen der Straßen im Vordergrund. Hierdurch entstehen oft nicht-integrierte Problemräume ("Verkehrsschneisen").
  • Verkehrsplaner und Straßenbauer begreifen die Hochleistungsstraßen nicht als Aufgabe, die gleichzeitig eine städtebauliche und ingenieurtechnische Aufgabe ist. Aber auch die Immobilienwirtschaft hat die Chancen integrierter Lösungen noch nicht erkannt (das gilt übrigens in gleicher Weise auch für das Thema "Bauen an der Bahn", bei dem Länder wie die Schweiz uns weit voraus sind).
  • Der Standort Autobahn zieht mit zunehmender Urbanisierung des Raums viele Formen der Nutzung an. Die Bodenpreisentwicklung in der Nähe von Autobahnen (bei optimalem Schallschutz) ist Indikator für deren Bedeutung für die Stadtentwicklung.
  • Die Ziele der Straßenbauverwaltung und des Städtebaus bezüglich der Gestaltung von Stadtautobahnen sind sehr unterschiedlich; dennoch eröffnen sich durch eine gelungene Integration derartiger Straßen in Stadtstrukturen auch für den Straßenbauer wichtige Vorteile wie bessere Durchsetzbarkeit der Planung, schnellere Verfahren, geringere Kosten und weniger Folgekonflikte.
  • Anbau, Über- und Unterbauungen, Führung durch Gebäude bieten in vielen Fällen viele Vorteile gegenüber der reinen Abschottung der Straße gegenüber dem baulichen Umfeld. Intelligenter Lärmschutz kann nicht nur die Integration der Verkehrswege verbessern, sondern auch Kosten sparen.

 

Noch fehlen weitgehend geeignete Verfahren und ein Bewusstsein für Integration. Verkehrsplanung und Straßenbau werden aber künftig politisch nicht mehr akzeptabel sein, wenn sie nicht städtebaulich motiviert – statt nur dekoriert – werden. Stadtautobahnen sollten daher in allen Phasen von Planung und Entwurf von einem interdisziplinären Team erarbeitet werden. Städtebauliche Fachbeiträge wie der Stadtgestalterische Beitrag nach ESG 96 sind bei diesen Projekten besonders wichtig. Städtebauliche Ideen- und Realisierungswettbewerbe oder andere qualitätssichernde Verfahren sollten Standard sein.

Während der o. a. Tagung wurden Beispiele diskutiert, die belegen, wie bei entsprechendem politischen Willen und persönlichem Einsatz einzelner Akteure wegweisende Lösungen entwickelt wurden. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass derartige positive Entwicklungen bisher in keiner Weise von den vorhandenen Regeln und Richtlinien des Straßenbaus unterstützt werden.

Aspekte bei der Arbeit sollen vom Schutz vor Straßen bis zur positiven Auswirkung auf die Erreichbarkeit reichen. Ziel ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, weshalb auch einige Mitglieder aus dem AA 2.1 teilnehmen werden.

Angestrebtes Ergebnis

Hinweise für die Städtebauliche Integration von Hochleistungsstraßen (2015)

Update: 18/08/2015