3.3.7 Berücksichtigung des ÖPNV im städtischen Verkehrsmanagement

Datum der Konstituierung

25.9.2013

Leitung

Dr.-Ing. Christian Priemer

Problem / Ziel

Für die Teilhabe am öffentlichen Leben und für die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Städten stellt der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) eine wesentliche Voraussetzung dar. Insbesondere in den Städten und Ballungsräumen steht die Gestaltung eines attraktiven ÖPNV jedoch häufig im Zielkonflikt mit den Belangen anderer Verkehrsarten und mit städtebaulichen Randbedingungen. Die Anlage und der spätere Betrieb der Verkehrsanlagen der verschiedenen Verkehrsarten erfolgt jedoch in der Regel losgelöst in einer sektoralen Betrachtung. Lediglich an den vorgegebenen Schnittstellen wie der Lichtsignalsteuerung erfolgt häufig eine Abstimmung durch die lokale ÖPNV-Bevorrechtigung.

 

Diese ausschließlich lokale und sektorale Betrachtung wird weder den eigentlichen Belangen städtischen ÖPNV-Systems noch einem integrierten städtischen Verkehrsmanagement gerecht. So werden in der heutigen Planungspraxis die vielfältigen Wechselwirkungen nicht ausreichend betrachtet bzw. es bestehen zu wenig publizierte Kenntnisse, um belastbare Aussagen hierzu zu treffen.

 

Diese Wechselwirkungen betreffen

  • Zielkonflikte mit Fußgänger-, Radfahrerwartezeiten,
  • Sprungkosten des ÖPNV bei zu geringer Bevorrechtigung,
  • Auswirkungen von Bussonderfahrstreifen bzw. besonderer Bahnkörper auf Fahrzeit und Fahrplanstabilität und der möglichen baulich-betrieblichen Alternativen durch Busschleusen und Zeitinseln,
  • Zielwerte für ideale Reisegeschwindigkeiten (um Überforderung aus GVFG entgegenzuwirken).

 

Daneben besteht ein Defizit bzgl. publizierter Erfahrungswerte über

  • das Beschleunigungspotenzial durch Bevorrechtigung, durch eigenen Fahrweg und durch Haltestellenausbildung und -lage und
  • die jeweiligen Vor- und Nachteile von Straßenbahn und Bus hinsichtlich Beförderungsleistung und -komfort und der Integration in das städtische Umfeld.

 

Ein wesentliches Hemmnis für die Behandlung des ÖPNV im integrierten Verkehrsmanagement ist der Mangel an publiziertem Best-Practise-Wissen bzgl. der erzielbaren verkehrli­chen, umweltbezogenen und städtebaulichen Wirkungen. Hier setzt das Wissensdokument an. Durch eine praxisgerechte Auswertung verteilt vorliegenden Erfahrungswissens sowie abgeschlossener und laufender Untersuchungen sollen folgende Frage­stellungen beantwortet werden:

  • Welche Kombinationen entwurfstechnischer und betrieblicher Elemente haben sich in der Praxis bewährt und führen zu einer hohen Verkehrsqualität der verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen?
  • Wie können Zielkonflikte zwischen den einzelnen Verkehrsarten im Verkehrsmanagement möglichst vermieden bzw. bestmöglich ausgeglichen werden?
  • Welche verkehrlichen Wirkungen sind mit baulichen und betrieblichen Maßnahmen der ÖPNV-Bevorrechtigung konkret erreichbar?


Angestrebtes Ergebnis

Hinweise (W 1) (2016)

 

Die veralteten „Hinweise zur Bevorrechtigung des öffentlichen Personennahverkehrs bei der Lichtsignalsteuerung“ aus dem Jahr 1993 würden durch das neue Wissensdokument (Hinweise) ersetzt werden.

Update: 28/02/2018