1.6.6 Verlässlicher ÖV

Datum der Konstituierung

10.10.2013

Leitung

Dipl.-Ing. Tim Dahlmann-Resing

Problem / Ziel

In der Vergangenheit wurden durch die FGSV umfangreiche Arbeiten geleistet, die auf die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für den ÖPNV ausgerichtet waren. Einen bedeutenden Raum nahm dabei die Beschleunigung des ÖPNV an der Oberfläche ein. Es entstanden u.a. folgendes Merkblatt, Hinweise und ein Arbeitspapier:

  • "Hinweise für die Bewertung von Maßnahmen zur Beeinflussung der ÖPNV-Abwicklung" (1991),
  • "Hinweise zur Bevorrechtigung des öffentlichen Personennahverkehrs bei der Lichtsignalsteuerung" (1993),
  • "Merkblatt für Maßnahmen zur Beschleunigung des öffentlichen Personennahverkehrs mit Straßenbahnen und Bussen" (1999),
  • FGSV-Arbeitspapier "Verlässliche Bedienung im ÖV" (2004)

In den letzten Jahren hat der öffentliche Verkehr (ÖV) eine erhebliche Weiterentwicklung erfahren. Der Fahrgast wird stärker als zuvor als Kunde betrachtet und von der Planung bis zur Durchführung einer Reise/Fahrt unterstützt und begleitet. Von besonderer Bedeutung sind die neuen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten. Während bisher nicht selten eine technische Sicht auf das Thema Beschleunigung im Vordergrund stand, zählen heute neben der Geschwindigkeit auch die Verlässlichkeit des Angebotes und die Qualität der Information (insbesondere bei Abweichungen von den planmäßigen Abläufen) zu den maßgebenden Qualitätskriterien im ÖV.

 

Zugleich hat die Bedeutung des ÖV im Rahmen regionaler und kommunaler Verkehrsplanung zugenommen. Ihm kommt eine zentrale Funktion zu, bei der Erreichung klima- und umweltpolitischer Ziele (u.a. bei der Reduzierung von Schadstoffemissionen im Verkehr oder bei der Lärmminderung), bei der Senkung verkehrsbedingter Kosten von Nutzern und Gebietskörperschaften sowie bei der Steigerung der Lebensqualität der Bewohner in Stadt und Land. Mit signaltechnischen, straßenbaulichen, verkehrslenkenden und betrieblichen Maßnahmen werden die Verkehrsverhältnisse für den ÖV verbessert. Darüber hinaus müssen Akzeptanz und Vertrauen der Nutzer in ihren ÖV immer wieder neu erarbeitet werden, damit eine nachhaltige Verkehrsverlagerung und ÖV-Nutzung erreicht werden kann.

 

Weitere Gründe für die Bearbeitung des Themas sind:

  • Weiterentwicklungen der LSA-Steuerungsverfahren und der darauf abgestimmten, signaltechnischen, straßenbaulichen, verkehrsregelnden und betrieblichen Maßnahmen
  • Berücksichtigung der Ansprüche nicht motorisierter Verkehrsteilnehmer (Fuß- und Radverkehr)
  • Begehrlichkeiten anderer Verkehrsteilnehmer zur Mitbenutzung von ÖV-Spuren
  • Ansprüche insbesondere wahlfreier Kunden hinsichtlich Reisezeit und Verfügbarkeit (Häufigkeit, Regelmäßigkeit, Pünktlichkeit) bei der ÖPNV-Nutzung
  • demografische Entwicklung mit der Zunahme älterer Personen, die ihrerseits spezifische Ansprüche stellen
  • Leistungsfähigkeit der Infrastruktur in Bezug auf die Möglichkeit stark steigender Fahrgastzahlen
  • Akzeptanzprobleme bei politischen Richtungsentscheidungen pro ÖPNV-Priorisierung
  • Verschiebung von Zuständigkeiten bei der Planung und Organisation des ÖV
  • Personal- und Finanzmittelknappheit bei Aufgabenträgern und Verkehrsunternehmen (Einsparung von Fahrzeugumläufen vs. Investitions- und Unterhaltsaufwand sowie Personalressourcenbereitstellung für die LSA-Beeinflussung)

 

Ziel des Arbeitskreises ist die Erarbeitung, Zusammenstellung und Beschreibung aller Kriterien einschließlich deren Wechselwirkungen, die zu einem verlässlichen ÖV beitragen. Dabei soll zunächst auf einen zu hohen Detaillierungsgrad verzichtet werden. Die Sicht des Fahrgastes und die Sicht der Verantwortlichen für die Planung und Durchführung des ÖV werden einbezogen.

 

Ausgangspunkt der Arbeiten ist das „Merkblatt für Maßnahmen zur Beschleunigung des öffentlichen Personennahverkehrs mit Straßenbahnen und Bussen“ aus dem Jahr 1999, das bereits ganzheitliche Ansätze umfasst.

 

Im Bereich der Steuerungstechnik (Lichtsignalanlagen, Verkehrsbeeinflussung, ...) soll ein Extrakt aus dem neu eingerichteten Arbeitskreis 3.3.7 (Arbeitstitel: Berücksichtigung des ÖPNV im städtischen Verkehrsmanagement) übernommen werden. Eine eigenständige Erarbeitung ist nicht vorgesehen.

 

Die angestrebte Veröffentlichung soll folgende grobe Gliederung haben:

  • Bedeutung und Nutzen des ÖV

    • verkehrliche, umweltbezogene und städtebauliche Wirkungen, Integration in regionale und kommunale Verkehrsplanungen, Vernetzung von Verkehrsträgern, Mobilitätsmanagement, ...

  • Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für den ÖV

    • signaltechnische, verkehrssteuernde, straßenbauliche, verkehrslenkende und organisatorische Maßnahmen, Berücksichtigung neuer Entwicklungen und Ansätze wie fahrtkonkrete Beschleunigung, kooperative LSA, ...

  • Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit und Fahrplanangebot

    • Definitionen, Einflussfaktoren, angebotene Fahrzeugkapazitäten, Planung, Taktverkehre und ihre Grenzen, Nachweis der Pünktlichkeit, ...

  • Anschlusssicherung

    • Methoden, Voraussetzungen, Planung, unternehmens- und verkehrsträgerübergreifend, dynamische Anschlusssicherung, Grenzen, ...

  • Fahrgastinformation und Fahrgastkommunikation von der Planung einer Reise über die Durchführung bis zu eventuellen Nacharbeiten

    • Arten der Information, Angebotswege und Zugang zu Informationen, kollektive und individuelle Information, Medien, dynamischen Lenkung der Fahrgäste, Zuverlässigkeit, ...

  • Steuerung der Betriebsabläufe und dispositive Eingriffe im ÖV

    • betriebsinterne Einflussmöglichkeiten und deren Wirkungen, Umgang mit externen und internen Störungen sowie kurzfristigen außerplanmäßigen Anforderungen, Bedeutung der Information der Fahrgäste, ...

  • Daten aus Planung und Statistik

    • Anforderungen an Daten, Schnittstellen, Daten als Nachweise/Belege, ...

 

Anmerkung:
Es ist insbesondere in den Bereichen Anschlusssicherung oder Fahrgastinformation nicht beabsichtigt, konkrete technische Lösungen zu konzipieren. Erarbeitet werden sollen allgemeine Grundlagen, die bei der Realisierung konkreter technischer Lösungen zu berücksichtigen sind. Dabei werden die Fahrgastsicht und der Systemzusammenhang maßgeblich berücksichtigt.

 

Angestrebtes Ergebnis

Zunächst wird ein Wissensdokument (W 2) angestrebt (Arbeitspapier). Nachfolgend sollen geeignete Themenschwerpunkte zu einem Regelwerk R 2 (Merkblatt) vertieft werden.

Update: 28/02/2018