1.2 Erhebung und Prognose des Verkehrs

Leitung

Dr.-Ing. Tobias Kuhnimhof

Auftrag / Aufgaben

Der Arbeitsausschuss befasst sich verkehrsträgerübergreifend mit Daten zu Verkehrsnachfrage und -geschehen, die im Rahmen von Zählungen und Befragungen gezielt erhoben werden oder als anderweitig erfasste Verkehrsdaten (Big Data) vorliegen. Darauf aufbauend sind Analysen des Verkehrsverhaltens, Entwicklung von Verkehrsnachfragemodellen sowie Verkehrsprognosen weitere zentrale Themenfelder des Ausschusses. Die Arbeit des Ausschusses umfasst dabei sowohl die methodischen Grundlagen und Verfahren als auch die beobachteten und für die Zukunft erwarteten Entwicklungen. Aus dieser Arbeit leitet der Ausschuss sowohl Schlussfolgerungen für die Praxis ab, die in die Arbeitspapiere des Ausschusses Eingang finden, als auch Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Verkehrsstatistik insgesamt.

Qualitativ hochwertige Verkehrsstatistik als Grundlage für Planung, Politik und Forschung ist ein zentrales Anliegen des Arbeitsausschusses. Der Ausschuss begleitet seit Jahren die Durchführung, Auswertung und Bewertung bundesweiter Erhebungen zum Verkehr (u. a. Mobilität in Deutschland 2002, 2008, 2017, Deutsches Mobilitätspanel, Mobilität in Städten, Kraftfahrzeugverkehr in Deutschland 2002, 2010, Fahrleistungserhebung 2002, 2014). Wichtiger Bestandteil der deutschen Verkehrsstatistik und damit Thema im Ausschuss sind zudem verkehrsträgerspezifische Statistiken. Hierzu zählen insbesondere Straßenverkehrszählungen und ihre technischen und methodischen Weiterentwicklungen sowie ihre Anwendungen, etwa für Lärmberechnungen. Nicht zuletzt ist die zusammenfassende bundesweite Verkehrsstatistik "Verkehr in Zahlen" relevant in der Ausschussarbeit. Neben methodischen Einzelfragestellungen sind auch grundsätzliche Herausforderungen im Verkehrsdatenbereich Thema im Ausschuss. Hierzu zählt immer mehr die ergänzende Nutzung neuer Daten insbesondere aus passiven Datenquellen (z. B. von Mobilfunkanbietern).

Zudem befasst sich der Ausschuss mit Modellierung und Prognose des Verkehrs. Im Hinblick auf Methoden bereitet der Ausschuss dabei aktuelle Entwicklungen aus der Forschung praxisrelevant auf und leitet daraus notwendige Handreichungen für die praktische Verkehrsplanung ab. Daneben sind auch die Datengrundlagen für Verkehrsnachfragemodellierung Gegenstand der Ausschussarbeit. Eine besondere Herausforderung für die Prognose des Verkehrs sind dabei erwartete deutliche Änderungen bei zentralen Einflussfaktoren auf die Verkehrsentwicklung, zum Beispiel durch Digitalisierung oder neue Geschäftsmodelle.  

Aufbauend auf diesen Statistiken sowie Modell- und Prognoseergebnissen diskutiert der Arbeitsausschuss wichtige Entwicklungslinien der Verkehrsnachfrage, etwa im Hinblick auf Pkw-Besitz, Fahrleistung, Personenverkehrsleistung und -aufkommen sowie Verkehrsmittelnutzung. Der Ausschuss versteht sich in diesem Kontext als ein Gremium, das auf Grundlage einer breiten quantitativen Basis und vieler unterschiedlicher Perspektiven eine übergreifende Interpretation zentraler Verkehrsnachfragetrends erarbeitet.

Bestand an Regelwerken und Wissensdokumenten

  • Hinweise zur Messung von Präferenzstrukturen mit Methoden der Stated Preferences – (1996) – 129
  • Hinweise auf Verfahren bei Verkehrsplanungen im Personenverkehr – (2001) – 136
  • Hinweise zu Methoden computergestützer Erhebungen zum individuellen Verkehrsverhalten – (2004) – 138
  • Hinweise zur Schätzung des Verkehrsaufkommens für Gebietstypen – (2006) – 147
  • Hinweise zur kurzzeitigen automatischen Erfassung von Daten des Straßenverkehrs – (2010) – 120
  • Arbeitspapier Nachfragewirkungen von Qualitätsverbesserungen im öffentlichen Verkehr – (2010) – 155
  • Empfehlungen für Verkehrserhebungen (EVE)– (2012) – 125
  • Hinweise zu Panel- und Mehrtageserhebungen zum Mobilitätsverhalten – Methoden und Anwendungen (2012) – 160

Laufende Forschung

Vom Arbeitsausschuss betreute FE-Projekte

  • 70.0906 Auswirkungen des E-Commerce auf das städtische Verkehrsaufkommen
  • 70.0919 Anforderungen an städtische Verkehrsnachfragemodelle
  • 70.0936 Deutsches Mobilitätspanel (MOP) – Erhebung der Alltagsmobilität sowie der PKW Fahrleistungen und Kraftstoffverbräuche für die Kohorte 2017  
  • 70.0923 Deutsches Mobilitätspanel (MOP)  Wissenschaftliche Begleitung 2014-2016  
  • 70.0922 Deutsches Mobilitätspanel (MOP) Kohorten 2016

 

Weitere für den Arbeitsausschuss relevante FE-Projekte

  • 70.810 Fortführung des 1994 begonnenen Haushalts-Panels – Mobilitätspanel 2007
  • 70.805 Deutsches Mobilitätspanel (MOP) – Erfassung von Alltagsmobilität, Kraftstoffverbrauch und Fahrleistung, Anwerbung und Befragung der Kohorte 2006
  • 70.841 Deutsches Mobilitätspanel (MOP), Erhebung der Alltagsmobilität sowie der Pkw-Fahrleistungen und Kraftstoffverbräuche, Fortführung des 1994 begonnenen Haushaltspanels – Anwerbung und Befragung der Kohorte 2009
  • 70.768 Panel bei privaten Haushalten zur Erfassung von Alltagsmobilität, Kraftstoffverbrauch und Fahrleistung, Anwerbung und Befragung der Kohorte 2005 Anschlussvertrag zu FE-Nr. 70.754/04
  • 70.863 Panel bei privaten Haushalten zur Erfassung von Alltagsmobilität, Kraftstoffverbrauch und Fahrleistung, Anwerbung und Befragung der Kohorte 2010
  • 70.832 Laufende Hochrechnung der Kfz-Fahrleistungen auf der Basis von Hauptuntersuchungsdaten

Aktivitäten

Laufende Bearbeitung / Überarbeitung von Regelwerken / Wissensdokumenten

  • Empfehlungen zu Konzeption und Einsatz von Verkehrsnachfragemodellen

Eine bedeutende Aufgabe innerhalb der Arbeit des Arbeitsausschusses bleibt die wissenschaftliche Begleitung der Erhebungen von Verkehrsdaten in Deutschland. Dabei gehört die Aufmerksamkeit sowohl den laufenden Erhebungen wie (z. B. Deutsches Mobilitätspanel, Zählungen) als auch immer wieder neu aufzulegenden Erhebungen (z. B. Mobilität in Deutschland).

Bei der wissenschaftlichen Begleitung von Erhebungen ist zum einen die Weiterentwicklung der Erhebungsmethoden wichtig: Die Methoden der Datenerhebung, insbesondere zum Beispiel auch beim Einsatz neuer Techniken, sind zu evaluieren. Die Erkenntnisse der Evaluation von Erhebungsmethoden müssen der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sind in geeignete Empfehlungen umzusetzen, die sich für den praktischen Einsatz eignen. Der Ausschuss sieht eine seiner wichtigsten Aufgaben darin, Standards zu formulieren, die zur Sicherung der Datenqualität auf allen Ebenen beitragen und praxistauglich sind.

 

Neben Erhebungsmethoden stehen aber auch Analysen auf Basis dieser Erhebungen im Mittelpunkt der Arbeit des Ausschusses: Aktuelle Erkenntnisse zur Entwicklung des Verkehrsgeschehens sind zentrale Grundlage der Arbeit des Ausschusses. Der Ausschuss widmet sich der Interpretation von Erhebungsergebnissen und ordnet sie in den Zusammenhang anderer gesellschaftlicher, demografischer und wirtschaftlicher Entwicklungen ein. Auf Basis dieser Arbeit können Vorhersagen des Verkehrsgeschehens getroffen werden, in die Ursache-Wirkungszusammenhänge einfließen. Dabei müssen unterschiedliche Entwicklungen im Personenalltagsverkehr, Personenfernverkehr und Güterverkehr beachtet werden.

In den nächsten 5 Jahren geplante Bearbeitung/Überarbeitung von Regelwerken/Wissensdokumenten

Nach wie vor zeigt sich die zunehmende Bedeutung des demografischen Wandels und seiner Konsequenzen für den Verkehr. Es zeichnet sich ab, dass die Wirkungen des demografischen Wandels für unterschiedliche Räume aber auch für die verschiedenen Verkehrsträger unterschiedlich ausfallen. Hinzu kommen neue Möglichkeiten zur Vernetzung der Verkehrsträger und Verkehrsangebote, Veränderungen in Einstellungen und Verhalten, u. a. Shared Economy, Reurbanisierung und Idividualisierung, die eine Änderung des Mobilitätsverhaltens sowie eine Weiterentwicklung der Verkehrsangebote erfordern. Im Mittelpunkt der Arbeit des Ausschusses in den nächsten Jahren steht deshalb, die zahlreichen Wirkungen aus den absehbaren, resultierenden Trendveränderungen einzuschätzen und Konsequenzen für die Planung zu erarbeiten. Darüber hinaus sollen Methoden und Handreichungen für Verkehrsmengenanschätzungen weiterentwickelt werden. Eine besondere Aufgabe ist es, die Ergebnisse dieser Arbeit an diejenigen zu kommunizieren, die in der Praxis mit der Planung befasst sind.

Forschungsbedarf

Weitere Aktivitäten

Update: 17/05/2019