1.6.6 Verlässlicher ÖV

Datum der Konstituierung: 10.10.2013
Leitung: Dipl.-Ing. Andreas Schmidt

Problem / Ziel

Der Arbeitskreis "Verlässlicher ÖV" hat in den Jahren 2013 bis 2017 die "Empfehlungen für einen verlässlichen öffentlichen Verkehr" erarbeitet (FGSV-Schrift 166, veröffentlicht 2017). Darin werden die Anforderungen an einen verlässlichen ÖV beschrieben, wobei die Sichtweise der Kunden des ÖV und ihre Erwartungen im Mittelpunkt stehen. Das führte zu folgender Definition:
„Der Öffentliche Verkehr ist verlässlich, wenn der Kunde bei der Erfüllung seiner Erwartungen auf planbare Verbindungen vertrauen kann und ihn die Dienstleistung insgesamt überzeugt.“
Die Empfehlungen umfassen diese Schwerpunkte:

  • Nach einer Einführung in den Verkehrsmarkt werden – ausgehend von den Erkenntnissen der Marktforschung – wichtige Erwartungen der Kunden zusammengestellt. Die Kundenerwartungen sind die Grundlagen für den verlässlichen ÖV.
  • Im Kapitel zur Organisation und Finanzierung des ÖV sowie zu weiteren Rahmenbedingungen wird verdeutlicht, dass der verlässliche ÖV eine übergreifende Aufgabe aller Akteure ist, die für den ÖV und im ÖV tätig sind. Die verkehrspolitischen Zielsetzungen und Entscheidungen zum Stellenwert des ÖV legen die Basis.
  • Die Planung setzt die Vorgaben aus Kundenerwartungen und verkehrspolitischen Zielsetzungen um. Die Kunden möchten darauf vertrauen, dass Ihnen langfristig ein Angebot zur Verfügung steht, dass Ihren Erwartungen und Bedürfnissen gerecht wird. Ein wettbewerbsfähiges Reisezeitverhältnis zwischen ÖV und IV sollte angestrebt werden, um die notwendige Attraktivität zu erreichen.
  • Die Infrastruktur und die Fahrzeuge sollen den Vorgaben entsprechen und eine hohe Verfügbarkeit aufweisen. Auf der Basis entsprechender politischer Entscheidungen soll dem ÖV im öffentlichen Straßenraum eine weitgehende Priorität eingeräumt werden, u.a. durch die Bevorrechtigung an den Lichtsignalanlagen.
  • Für einen stabilen Betrieb sind die erforderlichen technischen Systeme zu betreiben und jederzeit auf dem aktuellen Stand zu halten (z.B. Leitstellen zur Betriebsführung). Das Personal für den Fahrdienst und den Service soll im erforderlichen Umfang zur Verfügung stehen. Im direkten Kontakt mit den Kunden kommt ihm eine große Bedeutung zu.
  • Die verlässliche Information ist ein Teil der Mobilitätsdienstleistung. Der Fahrgast soll über das Angebot informiert und auf seiner Reise begleitet werden. Im Störungsfall sind die technischen Möglichkeiten zu nutzen, um schnell zu informieren und die Fahrgäste bestmöglich zu lenken.

Die Erarbeitung der Empfehlungen (FGSV 166) folgte dem Ziel, den ÖV an den Erwartungen und Anforderungen der Kunden auszurichten. Angebot und Qualität müssen die Kunden erreichen und überzeugen. Die aktuellen Diskussionen über eine Verkehrswende und die Rolle des ÖV bestätigen das eindrücklich. Der ÖV darf nicht darauf warten, dass ihm die Kunden von alleine zulaufen. Überzeugte und zufriedene Kunden müssen das Ziel der täglichen Arbeit sein.

Aufgrund des thematischen Bedarfs und der wachsenden klima- und gesellschaftspolitischen Notwendigkeit, den ÖV weiterzuentwickeln, werden die Arbeiten des Arbeitskreises weitergeführt. Einzelne Aspekte der Empfehlungen sollen in gesonderten Arbeitspapieren weiter ausgearbeitet und vertieft werden. Geplante Themen sind:

  • Bewertung und Planung von Kapazitäten
  • Intervall-Fahrpläne
  • Umgang mit der "letzten Meile"
  • Anforderungen an die Kurzfrist-Planung im Störungsfall (für den laufenden Tag)
  • Anforderungen an die Fahrgastinformation im Störungsfall (mehr als nur der Hinweis auf die Störung)
  • Anforderungen an die individualisierte Lenkung der Fahrgäste
  • Umgang mit kurzfristigen Baustellen (Streckensperrungen)
  • Verlässlichkeit und Multimodalität aus Sicht des ÖV
  • Anforderungen an Ersatzverkehre

Wie in den bereits erarbeiteten Empfehlungen fließen Kundensicht und Kundenerwartungen mit einem hohen Stellenwert in die Arbeiten ein.
Aktuell erstellt der Arbeitskreis ein Arbeitspapier, das sich mit einer schnell wachsenden Nachfrage im ÖV befasst. Die Diskussion über den Beitrag des ÖV bei der Verkehrswende und beim Klimaschutz soll insbesondere mit dem Fokus auf die Leistungsfähigkeit und notwendige Voraussetzungen bereichert werden.

Angestrebtes Ergebnis

Zunächst sollen themenbezogene Wissensdokumente (W 2 / Arbeitspapier) erstellt werden. Diese könnten zu einem späteren Zeitpunkt als Hinweise oder Empfehlungen zusammengefasst werden.

Zum Arbeitskreis

Der Arbeitskreis ist interdisziplinär besetzt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus Verkehrsunternehmen, von Verkehrsverbünden, aus ÖPNV-Besteller-Organisationen, Landesverwaltungen, Lehre und Forschung, Fahrgastverbände, aus der Schlichtungsstelle Nahverkehr (NRW), aus Industrie und Ingenieurbüros.
Interessenten steht die Mitarbeit im Arbeitskreis offen. Bitte wenden Sie sich über die FGSV an den Leiter des Arbeitskreises.

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