3.2.3 Potentiale und Möglichkeiten für Verkehrszentralen aus Daten kooperativer Systeme (C2I)

Datum der Konstituierung: 17.09.2021

Leitung: Dr.-Ing. Thomas Sachse

Problem / Ziel

Seit ca. 20 Jahren werden in verschiedenen Gremien und Forschungsprojekten kooperative Systeme (C2I) im Verkehr diskutiert und definiert. So wurden beispielsweise der Datenaustausch und Telegramminhalte festgelegt und erste Anwendungsfälle definiert. 

In den letzten Jahren werden diese Systeme auch zunehmend implementiert und getestet. Zunächst noch in Forschungsprojekten aber mit der wachsenden Ausstattung von Fahrzeugen mit Kommunikationseinrichtungen (G5, 5G) und der Ausstattung von Straßennetzen mit Infrastruktur (G5) wachsen nun auch die Möglichkeiten diese Daten in einer Verkehrszentrale zu nutzen, beziehungsweise in einer Verkehrszentrale vorhandene Informationen an die kooperativen Fahrzeuge weiterzugeben.

Erste Schritte hierzu wurden z. B. in Deutschland durch Hessen Mobil und in Österreich durch die ASFINAG mit dem Aufbau von kooperativen Zentralen unternommen. 

Der Arbeitsausschuss 3.2 sowie seine Arbeitskreise haben sich bisher nur vereinzelt mit der Thematik C2I beschäftigt. Sie wird jedoch als wesentlich für die Zukunft gesehen und wird die Zentralenwelt in der Zukunft entscheidend verändern. 

Aus diesen Gründen wäre ein Wissensdokument wünschenswert, welches die Sichtweise der FGSV wiedergibt, welches die Potentiale und den Nutzen von kooperativen Systemen beschreibt, welches die Daten und die mögliche Verarbeitung und Veredelung aufzeigt und welches als Anforderungskatalog der FGSV dienen könnte. In dem MARZ 2018 wurde bereits ein Kapitel für das Thema C2I reserviert, welches aber bisher noch nicht bearbeitet wurde und das mit den Ergebnissen dieses Arbeitskreises weiter gefüllt werden kann.

Vom Arbeitskreis sollte untersucht werden, inwieweit die derzeit definierten Meldungen, die von den Fahrzeugen ständig oder nur in bestimmten Situationen generiert werden, in den Kontext der Verkehrsanalyse und der Entscheidung über Maßnahmen gestellt werden können. 

Hierzu ist es erforderlich, die möglichen Daten und Informationen von kooperativen Fahrzeugen zu sichten, diese ggf. zu klassifizieren und festzulegen wie eine Verwendung in einer Verkehrszentrale aussehen kann. 

Es ist erforderlich zu klären welche Daten von kooperativen Fahrzeugen sind wünschenswert bzw. erforderlich oder sogar notwendig für eine Verbesserung der Steuerung? 

Sind die Kriterien wie die Daten von den Fahrzeugen erfasst werden (Granularität, Position, Frequenz, Gültigkeit,….) aus Sicht der Weiterverarbeitung sinnvoll? Ist es ggf. möglich, weitere sinnvolle Daten zu 

generieren? In diesem Zusammenhang muss auch die Frage gestellt werden, inwieweit eine Verkehrszentrale kooperative Fahrzeuge unterstützen kann. 

Es ist bekannt, dass kooperative Fahrzeuge Daten und Informationen auf mikroskopischer Ebene erfassen können, jedoch ein makroskopischer Gesamtzusammenhang nicht gebildet werden kann, da ein Fahrzeug nur einen räumlich und zeitlich begrenzten Überblick hat. Eine Verkehrszentrale kann hier einen Mehrwert generieren, indem sie die gesendeten Daten und Informationen in einen größeren Zusammenhang stellt, diese ggf. anreichert, abgleicht und als offizielle Meldung wieder verteilt. 

Des Weiteren stellen die Maßnahmen, die von einer Verkehrszentrale an die Fahrzeuge weitergegeben werden müssen, Empfehlungen bzw. offizielle An-ordnungen dar, für die ebenfalls dieser Kanal genutzt werden kann. 

Der große Vorteil der longitudinalen Positionsbestimmung von kooperativen Fahrzeugen im Vergleich zu den bestehenden Detektoren mit großen Abständen wird gemindert durch die ungenauere laterale Positionsbestimmung. Der Arbeitskreis sollte untersuchen, welche Möglichkeiten hier gegeben sind, den Mangel auszugleichen. 

Der Arbeitskreis soll auf die folgenden Fragen Antworten finden: 

Welche Informationen darf ein Fahrzeug erzeugen, welche beziehen sich auf hoheitliche Aufgaben und müssen durch eine Zentrale bestätigt werden, welche Informationen kann nur eine Zentrale erzeugen? 

Wie müssen/können die Daten aus kooperativen Systemen mit den bereits vorhandenen (klassischen) Daten verschnitten werden? 

Das Wissensdokument sollte spezifizieren, welche Daten benötigt werden, um die Steuerung des Verkehrs zu verbessern (Maximalforderung). 

Die Diskussion sollte sich zuerst auf den Außerortsbereich beschränken. Später sollte der Innerortsbereich mit betrachtet werden. Hierzu ist ein Austausch mit dem Arbeitsausschuss innerorts angedacht. 

Die Diskussion sollte auch primär die Sicht der Betreiber der Verkehrszentralen abdecken. Es sollten jedoch auch OEMs und deren Zulieferer beteiligt werden. Ob Navigationsdienste auch einen zu berücksichtigenden Einfluss haben, soll durch den Arbeitskreis noch geklärt werden. 

In einem weiteren Schritt sind die bisherigen Ergebnisse des Projekts C-Roads zu untersuchen und der Einfluss auf den Arbeitskreis festzulegen. 

Wie sich bereits an der Verbreitung der individuellen Navigationsdienste gezeigt hat, laufen die dort zur Verfügung gestellten Funktionen den Strategien der für die Netze verantwortlichen Behörden entgegen. 

Eine Aufgabe des Arbeitskreises soll auch sein, zu untersuchen, ob aus dem individuellen Nutzen von kooperativen Systemen ein Widerspruch zu den übergeordneten Zielen der Betreiber entstehen kann. 

Potentielle Nutzende der Veröffentlichung sollen 

  • -Betreiber von Verkehrsbeeinflussungsanlagen (Strecke, Netz, Knoten) 
  • -Planer von Verkehrsbeeinflussungsanlagen 
  • -Behörden (Autobahn des Bundes, Bundesländer, Städte) 
  • -OEMs und Zulieferer 

sein.


Grobe Gliederung des Wissensdokuments

  1. Zielsetzung 
  2. Sichtung der vorhandenen Literatur 
  3. Einführung in die Kooperativen Systeme 
  4. Meldungen und Dateninhalte kooperativer Systeme 
  5. Analyse des Nutzens der Meldungsgruppen zu den Themen 
    • Verkehrsfluss 
    • Baustellen 
    • Witterung/Fahrbahnoberfläche 
    • Ereignisse 
  6. Möglichkeiten der Weiteverarbeitung der Meldungen in einer Verkehrs-zentrale 
  7. Definition von Erweiterungen der Datenbasis 
  8. Mögliche Folgen einer unabgestimmten Verwendung von Daten kooperativer Systeme 
  9. Festlegung weiteren Forschungsbedarfs 
     

Angestrebtes Ergebnis

Wissensdokument (W) – 2024

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