1.9.3 Einsatz von Simulationen bei der Planung für und Steuerung von Menschenmengen

Problem / Ziel

Abläufe auf Veranstaltungen und die Dimensionierung von Zuschauerflächen stellen eine große Herausforderung an Planende, da die Dynamik von Personenströmen und Interaktionen innerhalb von Menschenmengen hochkomplex ist.

Während für simple Geometrien und Grundrisse einfache Rechenformeln zur Dimensionierung Best Practice sind und in der Regel gute Überschlagswerte liefern, ändert sich die Situation, wenn es sich um Veranstaltungsbereiche handelt, die komplexe Geometrien, bestimmte Abläufe mit wechselnden oder parallelen Programmpunkten, unterschiedlichen Personengruppen oder eine räumlich und zeitlich herausfordernde An- und Abreisesituation aufweisen.

Die MVStättVo (Muster-Versammlungsstättenverordnung) und die entsprechenden Umsetzungen im Landesbaurecht geben zwar Richtwerte für die Rettungsweglängen und -breiten vor, allerdings sind diese Vorgaben für den Räumungsfall und nicht dem Regelbetrieb einer Veranstaltung bzw. Versammlungsstätte gedacht.

Ziel des neuen FGSV-Arbeitskreises im Arbeitsausschuss 1.9 „Planung für und Steuerung von Menschenmengen“ ist es, zu erarbeiten, inwieweit und wie Simulationen als ein weiteres Werkzeug in der Planung von Veranstaltungen zum Einsatz kommen kann, um diese hochkomplexen Dynamiken im Vorfeld besser zu verstehen und potentielle neuralgische Punkte zu entschärfen. Zudem soll geklärt werden, wie Simulationen aufgebaut werden und inwieweit eine Qualitätssicherung gelingen kann.

Simulationen sollen dabei Antworten auf die Fragen liefern:

  • Dimensionierung und Lage von Rettungswegen
  • Technische und organisatorische Grundlagen für Einlass- und Auslasssituationen (Ablauf, Platzbedarf, Wartezeiten etc.)
  • Erarbeiten von Optionen im Verkehrsablauf/Optionen in der Steuerung von Menschenmengen
  • Optimierungspotentiale aufzeigen
  • Kapazitätsgrenzen bzw. Qualitätsstufen des Verkehrsablaufs eruieren
  • Räumungszeiten und Stauzeiten

Diese derzeit laufende Forschung ist im Fokus (laufend oder abgeschlossen):

  • ESCAPE: MULTISKALARE MIKROSKOPISCHE SIMULATIONEN VON BESUCHERSTRÖMEN BEI PARALLEL STATTFINDENDEN GROSSVERANSTALTUNGEN
  • SISAME – Simulations for Safety at Major Events

Zu initiieren z. B. sind:

  • Datenerhebungen zur Validierung von Simulationen auf Veranstaltungen

Zielgruppen der angestrebten Veröffentlichung sind Institutionen und Personen, die mit der Planung von Großveranstaltungen oder hochfrequentierten Infrastrukturgebäuden beschäftigt sind. Dazu gehören Städte und Gemeinden, insbesondere die Verkehrsplanungs- und Ordnungsbehörden, Verkehrsplanerinnen und -planer, Veranstalterinnen und Veranstalter, Betreibende von stark frequentierten Räumen, Flächen und Strecken, Behörden mit Organisations- und Sicherheitsaufgaben (BOS), Institutionen für Fremdenverkehr bzw. Tourismus sowie Eventagenturen einschließlich deren technisch Planende und deren Sicherheitsberaterinnen und -berater.

Grobe Gliederung des Regelwerks

  1. Einführung, Zweck und Inhalt
  2. Grundlagen und Richtlinien in Bezug auf Simulationen
  3. Anwendungsbereiche für Simulationen: Wann macht es Sinn, was können sie leisten, wie sind die Ergebnisse einzuordnen
  4. Nachweisführung mit Simulationen
    a. Erarbeiten von (Räumungs-)Szenarien
    b. Festlegen der Leistungskriterien zur Bewertung der Ergebnisse (Beurteilungsgrößen und deren werte – z. B. Räumungszeit < 10 Minuten)
    c. Berechnungsverfahren und Modelle
    d. Interpretation der Ergebnisse und Dokumentation
  5. Beispiele

Angestrebtes Ergebnis

Die Durchführung von leistungsbezogenen Nachweisen mithilfe von Räumungssimulationen ist in der E DIN 18009-2 im Rahmen des Brandschutzes festgeschrieben. Die Anforderungen an Simulationen und deren Durchführung im Veranstaltungskontext weichen von denen des Brandschutzes ab. Es sollen daher Empfehlungen auf Basis der DIN, RiMEA und weiteren Richtlinien geschaffen werden, die sich speziell mit Simulationen im Veranstaltungskontext auseinandersetzen.

Regelwerk (Empfehlungen R 2) – 2025

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